Fuchs setzte das Babyfenster durch

Im Kanton Bern muss ein Babyfenster geschaffen werden. Nach seiner erfolglosen Intervention im Berner Stadtrat setzte sich Thomas Fuchs am Dienstag auf kantonaler Ebene durch. Der Regierungsrat wollte die Frage eines Babyfensters nur prüfen.

Fuchs setzt Babyfenster durch

Emotionale Diskussion: Thomas Fuchs (SVP) machte sich für ein Babyfenster stark, Bettina Keller (Grüne) äusserte Zweifel. Bild: Andreas Blatter

Emotional hin- und hergerissen waren die Grossrätinnen und Grossräte gestern bei der Frage, ob im Kanton Bern ein Babyfenster (siehe Kasten unten) eingerichtet werden soll. Weil die Forderung von SVP-Grossrat Thomas Fuchs (Bern) kam, vermuteten Ratsmitglieder eine populistische Absicht. Der Motionär versicherte, er handle allein aus «gesundem Menschenverstand», persönliche Interessen spielten nicht mit.

Mit seiner Forderung nach einem Babyfenster hatte Thomas Fuchs vor zehn Jahren im Berner Stadtrat Schiffbruch erlitten. Gestern nun stellte sich eine satte Mehrheit des Berner Kantonsparlaments hinter das Begehren. Die Motion, die Regierungsrat Christoph Neuhaus (SVP) zum Handeln zwingt, wurde mit 108 zu 22 Stimmen gutgeheissen.

Das Recht auf Leben

FDP-Fraktionschef und Anwalt Adrian Kneubühler (Nidau) zeigte sich enttäuscht, dass der Regierungsrat in der Frage des Babyfensters unentschlossen sei und vor allem mit juristischen Argumenten fechte – «das Recht auf Leben geht vor». Er begreife zwar, dass medizinische und psychologische Angebote besser wären. Das Babyfenster sei aber sinnvoll, wenn eine Beratung der werdenden Mutter nicht geholfen habe und die Frau nach dem Gebären verzweifelt sei. Weil Fuchs nur die Einrichtung eines und nicht mehrerer Babyfenster forderte, unterstützte die FDP die Motion. Gleiches traf auf internet-map.net SP, EVP, EDU, SVP und teilweise auf die BDP zu.

Die BDP sprach sich mehrheitlich für ein unverbindliches Postulat aus. Weil man sich mit einem Babyfenster in einer juristischen Grauzone befinde, müsse zuerst die Rechtslage geklärt werden. Zum gleichen Argumentarium griff Regierungsrat Christoph Neuhaus: «Lasst den Regierungsrat zuerst abklären, was das Beste ist.» Die Ratsmehrheit wollte sofort handeln.

Unter die Räder gerieten die Argumente der Fraktionen von Grünen und GLP/CVP. «Wir haben keine andere Wahl, als die Motion Fuchs abzulehnen», sagte Thomas Brönnimann (GLP, Mittelhäusern). Das Problem sei weit komplexer als dies Fuchs darstelle. Dieser sei ohnehin auf emotionale Themen spezialisiert, monierte Brönnimann. Ein Ja zum Babyfenster beurteilte dieser als «falsch verstandene Emotionalität».

Emotionen vor Fakten

Grüne-Sprecherin Bettina Keller (Hinterkappelen) votierte für ein Postulat. Aufgrund von Studien komme man in Deutschland eher wieder von Babyfenstern weg. Kinder hätten das Recht, irgendwann in ihrem Leben über ihre Herkunft ins Bild gesetzt zu werden: «Das ist mit der anonymen Abgabe im Babyfenster nicht mehr machbar.» Ihre Fraktion sei nicht überzeugt, dass das Babyfenster wirklich die beste Hilfe für die Frauen sei, sagte Keller.

EDU-Sprecher Alfred Schneiter (Thierachern) erkannte in Motionär Fuchs nicht den oft vermuteten Populisten, sondern den «barmherzigen Samariter». In der Frage des Babyfensters müssten Emotionen vor Fakten gestellt werden. Hierfür machte sich auch Christian Hadorn (SVP, Ochlenberg) stark. Als Vater von zwei adoptierten Kindern sagte er: «Wenn wir das Leben eines Kindes retten und dann erst noch ein Elternpaar glücklich machen können, müssen wir zur Motion Ja sagen.»

Quelle: Urs Egli, Berner Zeitung

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