„Die SVP hat sich nie schwulenfeindlich verhalten!“

Mit viel Verve wird die SVP durch sämtliche politischen Schlammgruben gezogen. Erstaunlich ist das nicht: Die Partei und ihre Exponenten stossen besonders die LGBT-Comrnunity immer wieder vor den Kopf. Nun wehrt sich die stärkste Partei der Schweiz und gibt sich offen, wenn es um Akzeptanz und Toleranz in der Schweizer Gesellschaft geht.

Jahrzehntelang galt die SVP in der Schwulenszene als nicht wählbar. Die allseits bekannten Werte, Parolen und Kampagnen der wählerstärksten Partei der Schweiz galten als unvereinbar mit der Lebensauffassung von Schwulen und Lesben. Dabei wären wirtschaftsfreundliche Schwule laut der SVP bei der grössten Partei gut aufgehoben. Dies meint zumindest Grossrat und Alt-Nationalrat Thomas Fuchs (47). Wir haben den bekennenden Homosexuellen zur SVP und deren angeblichen Toleranz befragt.

Traditionell wird die SVP politisch als schwulenfeindlich eingestuft. Kommt dies daher, weil die Partei die traditionellen Werte hochleben lässt?

THOMAS FUCHS: Es gibt leider viele Leute, die der SVP immer wieder alles Mögliche und Unmögliche unterstellen. Tatsache ist aber, dass sich die SVP nie schwulenfeindlich verhalten hat. Die Unterstützung und Förderung der traditionellen Familie ist keine Kampfansage gegen andere Lebensformen, wie dies einige offenbar vermuten oder behaupten. Meist kommen die Vorwürfe zudem von Leuten, die sich sonst als tolerant und weltoffen «verkaufen». Hier würde ich mehr Solidarität verlangen, wenn schon die Prioritäten auf diese Themen gelegt werden.

Ist die Homosexualität für die SVP überhaupt ein relevantes Thema?

Die SVP hat als Partei andere Schwerpunkte, wie ein «nein» zu einem EU-Beitritt, tiefere Steuern, keine neuen Gebühren, ein unabhängiger und neutraler Staat und eine glaubwürdige Landesverteidigung. Das heisst aber nicht, dass alle anderen Themen nicht relevant sind. Als grösste Partei des Landes nimmt die SVP auf Wunsch zu allen Fragen Stellung. Wirtschaftsfreundlich eingestellte schwule Wähler lassen sich nicht davon abhalten, die SVP zu wählen.

Ist die jahrelange Stigmatisierung und Polarisierung innerhalb der Reihen der SVP Vergangenheit?

Ich denke schon, dass die Leute in der SVP sowie unsere Wähler wissen, dass man die Menschen nach deren Fähigkeiten und Leistungen beurteilt und nicht nach deren sexuellen Neigungen. Für Christoph Blocher war dies schon immer so. Es erstaunt nicht, dass in Biel mit Beat Feurer erstmals seit vielen Jahren wieder ein Gemeinderat in die Exekutive gewählt wurde. Der SVPIer ist gleichzeitig auch Präsident der GaySVP Schweiz. In Bern stellt die SVP mit dem schwulen Stadtratspräsident Rudolf Friedli sogar den höchsten Stadtberner und wahrscheinlichen künftigen Parteipräsidenten.

Die SVP selbst positionierte sich jedoch nie eindeutig beim Thema LGBT. Ist es das alleinige Privileg der Linken, schwulenfreundlich zu sein?

Dieses Gefühl habe ich schon seit Jahren. Gewisse Linke meinen, sie alleine hätten den Anspruch auf Schwulenfreundlichkeit. Gegenüber Schwulen aus bürgerlichen Parteien betreiben sie dann eine Hetze, die widerlich ist.

Ist sein Standpunkt ein Hinweis darauf dass das Thema «Coming-Out» und Akzeptanz bereits gesellschaftlich überholt ist?

Hier bin ich anderer Meinung. Es wurde in den letzten Jahren viel erreicht. Aber man darf Desinteresse nicht mit Akzeptanz verwechseln. Für junge Schwule und Lesben ist das Outing auch heute oft noch schmerzhaft und mit viel Leid verbunden. Zudem führt die starke Einwanderung von Leuten aus schwulenfeindlichen Ländern dazu, dass auch an Schulen wieder vermehrte Aufklärung nötig ist. Selbst die Gleichstellung von Frau und Mann ist für viele Zuwanderer nicht selbstverständlich.

Was wird die SVP in der Zukunft unternehmen, um Akzente Inder Schwulenpolitik zu setzen?

Die GaySVP vertritt gezielt Anliegen aus der Community und hat neu auch in der Romandie einen Stützpunkt. Die Junge SVP und zahlreiche Kantonalsektionen hatten die JA-Parole zum Partnerschaftsgesetz beschlossen. Damals wurde versichert, dass es keine Salamitaktik sei und die Adoption nicht als Folge eingefordert werde. Das volle Adoptionsrecht sollte aus meiner Sicht daher heute nicht auf die Schnelle erzwungen werden. Wenn heute zwei Frauen ein Kind wollen, finden sie einen Weg oder haben ihn schon gefunden. Für bestehende Paare mit Kindern sollte eine rechtliche Möglichkeit geschaffen werden, damit sich der überlebende Partner um das ihm bekannte Kind kümmern kann und dies nicht vom Staat bestimmte Pflegeeltern tun müssen. Die völlige Gleichstellung wird eine Frage der Zeit sein. Letztendlich muss das Kindeswohl immer im Vordergrund stehen Komischerweise muss man in diesem Land für das Halten eines Hundes einen Kurs absolvieren, um Mutter zu werden, gibt es keinerlei Anforderungen.

Länder wie Russland haben eine sehr limitierte Toleranz gegenüber schwulen Menschen. Welche Auswirkungen hat dies auf die aussenpolitischen Positionen der SVIY?

Die Schweiz als unabhängiger und neutraler Staat hat die Pflicht, auf solche Missstände hinzuweisen. Die SVP hat schon oft verlangt, dass Zahlungen an ausländische Staaten (Fördergelder) an gewisse Auflagen gebunden werden sollten. Wer seine Kriminellen nicht zurücknimmt oder eben Menschenrechte mit Füssen tritt, darf kein Geld aus der Schweiz erhalten. Die Community sollte sich zudem bei Ferienreisen vermehrt überlegen, ob man solche Länder mit Devisen unterstützen soll. Gerade die Haltung von Russland ist bedenklich und zeigt auf, wie zerbrechlich die erzielten Erfolge sind und über Nacht dahinschwinden können.

Thomas Fuchs
Ab 1995 war Thomas Fuchs Mitglied des Berner Stadtrats, bis er im Juni 2002 in den Grossrat des Kantons Bern gewählt wurde. Bis 2002 war Fuchs Vizepräsident der Jungen SVP Schweiz. Zudem ist er Ehrenpräsident derselben Kantonalpartei sowie Ehrenmitglied der Jungen SVP Schweiz. Seit 2010 ist Fuchs Mitglied der Justizkommission und Leiter der Aufsicht über die Generalstaatsanwaltschaft. Fuchs kandidierte 2007 für den Nationalrat wurde aber knapp nicht gewählt. Nach der Wahl von Adrian Amstutz in den Ständerat im März 2011 wurde dessen Nationalratssitz für Thomas Fuchs frei. Bei den Wahlen im Oktober 2011 wurde Fuchs jedoch nicht wiedergewählt und ist nun wieder auf dem Ersatzplatz. Fuchs ist der wohl prominenteste Schwule in der SVP.

Gruppe Gays in der SVP
Die «Gruppe Gays in der SVP» ist ein Verein, der innerhalb der SVP Schweiz politisch aktiv ist. Es sind heute mehr als 100 Frauen und Männer, die sich mit der SVP identifizieren bzw. in der SVP aktiv sind und gleichzeitig homosexuell sind. Die Gruppe besteht seit dem Jahr 2010. Beat Feurer ist Präsident der Gruppe, wurde Ende September 2012 in den Gemeinderat der Stadt Biel gewählt und ist dort Direktor im Amt «Soziales und Sicherheit».

Quelle: Lola-Sara Arnold Korf, CR-Magazin, Cruiser.ch

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