«Die Stimmung in Bümpliz war viel militanter»

Thomas Fuchs erklärt, warum das Volk das Tram Region Bern durchwinkt und was die Behörden dazugelernt haben.

Herr Fuchs, seit über vier Jahren fährt das Tram nach Bern-West. Aus vielen Tramgegnern in Bümpliz und Bethlehem sind Tramfans geworden. Sind Sie auch bekehrt?
Natürlich ist das neue Tram komfortabler als die alten Busse. Aber die Leute blenden die hohen Kosten in der Gesamtbetrachtung einfach aus. Die Bundesgelder sind wie ein offener Honigtopf, das setzt falsche Anreize. Und ich habe einfach Mühe mit den Schienen. Ich bin überzeugt, dass die Tramgleise in 20 Jahren wieder herausgerissen werden, wie dies bereits im letzten Jahrhundert geschehen ist. Denn die Trams sind einfach nicht flexibel. Viele Pendler vermissen die früheren, schnellen Eilkurse und nehmen nun die S-Bahn, um ins Zentrum zu
gelangen.

Ohne Tram hätte es keine Schönheitskur für Bern-West gegeben.
Es ist sicher eine tolle Sache, dass etwa der verkümmerte Park beim Bachmätteli aufgefrischt wurde und nachts eine bessere Beleuchtung für mehr Sicherheit sorgt. Aber die Vorurteile sind geblieben, das Image von Bern-West ist und bleibt schlecht. Ich vermiete viele Wohnungen: Niemand hat mir aber gesagt, dass er jetzt wegen des Trams nach Bümpliz zügle. Ebenso hat das Tram nur wenige Arbeitsplätze gebracht. Die Angaben der Planer waren Träumereien.

Mit dem Tram Region Bern (TRB) steht das nächste Projekt vor der Tür. Warum halten Sie sich diesmal zurück?
In Bümpliz war die Bevölkerung damals gegen das Tram. In Ostermundigen scheint mir dies nicht der Fall zu sein, das ist für mich entscheidend. Doch das Tram Region Bern hat gravierende Mängel: Der 30 Millionen Franken teure Tunnel hinauf nach Rüti ist kompletter Irrsinn. Und es fehlt die Vision: Als Planer hätte ich die Tramlinie bis nach Deisswil weitergezogen und so den boomenden Bernapark in der alten Papierfabrik ans Tramnetz angeschlossen.

Bislang sorgen beim TRB vor allem Bäume für rote Köpfe. Wie beurteilen Sie den Wahlkampf im Vergleich zu damals?
Die Stimmung bei den Bümplizern war damals viel militanter – Leute fürchteten, an Podien verprügelt zu werden. Wir Gegner waren damals ein harter Kern. Jetzt kämpft bloss ein bunt zusammengewürfelter, unkoordinierter Haufen ohne Geld gegen das Tramprojekt. Das kann nicht gut kommen, mit ein paar Bäumen kann man kein millionenschweres Tramprojekt bodigen.

Sind die Tramgegner an der PR-Maschinerie der Behörden aufgelaufen?
Die Behörden haben ihre Lektion gelernt und den Störfaktor Volk diesmal viel ernster genommen. Sie haben sich um jeden, der Einsprache erhoben hat, persönlich gekümmert.

Thomas Fuchs: Der SVP-Grossrat bodigte das erste Projekt des Trams Bern-West in der kantonalen Abstimmung 2004.

Interview: Adrian Müller, Der Bund

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