Bern will wieder ein Stadtfest

Nach 25 Jahren Unterbruch will der Gemeinderat 2016 wieder ein Stadtfest in Bern durchführen. Doch nicht alle freuen sich: Zeitpunkt, Örtlichkeit und Kosten des Festes sorgen für Kritik.

Ganz Bern versammelt sich in Bümpliz und Bethlehem, die Bevölkerung feiert ihre Stadt und verbindet die Innenstadt mit den Aussenquartieren. So stellt sich der Gemeinderat das Stadtfest vor, das er im August 2016 veranstalten will. Die Feierlichkeiten sollen unter dem Motto Brücken stattfinden und gleichzeitig das 1000-jährige Bestehen von Bümpliz-Bethlehem zelebrieren. Der Gemeinderat setzt damit entsprechende Vorstösse aus dem Stadtrat um. Das letzte Stadtfest fand 1991 statt.

Bewusst hat sich der Gemeinderat dagegen entschieden, das Fest in der Innenstadt abzuhalten. So soll die Beziehung zum Quartier Bümpliz-Bethlehem gestärkt und eine symbolische Brücke geschlagen werden. Das Festprogramm wird sich hauptsächlich mit Geschichten, Mythen, Liedern und Persönlichkeiten aus dem Stadtteil 6 befassen, es sollen aber auch Programmteile in Zusammenarbeit mit anderen Quartieren entstehen.

Das Vorhaben habe bei Vereinen in Bümpliz und Bethlehem ein positives Echo ausgelöst, teilt der Gemeinderat mit. SP-Stadtrat Thomas Göttin freut sich ebenfalls auf die Feierlichkeiten: «Ein Stadtfest ist wichtig für das Zusammenleben. Es gab lange kein solches Fest mehr in Bern.» Mit dem lebendigen Quartier Bümpliz-Bethlehem habe man einen tollen Ort für das Fest gewählt.

Ungünstiger Zeitpunkt
2011 sagte der Stadtrat Nein zu einem Stadtfest, das im Zeichen von «500 Jahre Bären in Bern stattfinden» sollte. Auch heuer regt sich Widerstand. Die Quartierkommission Bümpliz-Bethlehem kritisiert, dass das Fest auf das letzte Wochenende im August angesetzt ist: «Eine Woche nach der Bümplizer Chilbi ist ein höchst ungünstiger Termin für das Stadtfest. Ich kann mir vorstellen, dass den Bümplizer Vereinen dann die Lust und Kraft fehlt, um ein grossen Fest mitzugestalten», sagt Präsident Bernardo Albisetti.

Zudem seien noch zu wenige Vorabklärungen gemacht worden: «Ich rate dem Gemeinderat, nicht vorzupreschen» Der Gemeinderat plant, dass das Fest an sechs verschiedenen Orten vonstatten gehen soll. Grossrat Thomas Fuchs von der SVP-Bümpliz hält nichts von der Idee: «Ein Stadtfest muss zusammenhängend sein. Orte wie das Bienzgut und der Chilbiplatz liegen viel zu weit auseinander.» «Freude ist unbezahlbar»

Das Fest soll eine Million Franken kosten, wobei die Hälfte davon von privaten Geldgebern finanziert werden soll. FDP-Stadtrat Bernhard Eicher hält ein Stadtfest zwar grundsätzlich für eine gute Idee, stört sich aber an dem Kredit von 500’000 Franken, die der Gemeinderat im Stadtrat beantragen will: «Wir läuten ständig Sparrunden ein, da geht es nicht, Geld für Feste auszugeben.» Zudem gehöre ein Stadtfest in die Innenstadt. EVP-Stadtrat Matthias Stürmer, der seit 3 Jahren in Bümpliz lebt, widerspricht: «Die Kosten sind happig, doch die Freude am Fest kann man nicht bezahlen.»

Auch das Argument, dass die Feierlichkeiten in der Innenstadt vonstatten gehen müssen, lässt er nicht gelten. Das Stadtfest passe perfekt zum 1000-Jahr-Jubiläum von Bümpliz-Bethlehem: «Viele Berner sind noch nie in Bümpliz gewesen. Das Fest ist eine Chance, Brücken zu schaffen.» Thomas Fuchs hingegen glaubt nicht an einen langfristigen Nutzen für Bümpliz-Bethlehem: «Die Auswirkungen eines Festes währen vielleicht einen Tag. Danach bleibt wenig bis nichts.»

Falls der Kredit im Stadtrat trotz des Widerstandes genehmigt wird, würde ein Organisationskomitee gegründet. Dieses soll dann das Detailkonzept erarbeiten.

Quelle: Timon Stuber, Berner Zeitung

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Copy This Password *

* Type Or Paste Password Here *