Dem Tram Bern-West hat der zweite Anlauf gutgetan

Wie weiter mit dem Tram Region Bern? Eine Möglichkeit ist ein neues Projekt – ähnlich wie beim Tram Bern-West vor zehn Jahren.

Die Enttäuschung bei den Trambefürwortern war riesengross. Fassungslosigkeit, gar Verzweiflung war bei ihnen im Mai 2004 zu spüren: Die Stimmberechtigten im Kanton Bern hatten das Tram Bern-West mit 50,4 Prozent Nein-Stimmen versenkt. Doch das Projekt war damit nicht am Ende. Drei Jahre später kam ein neues Tram Bern-West zur Abstimmung. Nachdem die Stadt ihrem Kostenanteil bereits im November 2006 zugestimmt hatte, sagten im Juni 2007 auch die Stimmberechtigten im Kanton mit fast 70 Prozent Ja zu der 150 Millionen teuren neuen Tramverbindung. Ab Dezember 2010 konnte das Tram schliesslich auch den Westen der Stadt Bern in seinen Fahrplan aufnehmen.

Wie kam es zum Sinneswandel der Stimmbürger? Nach dem ersten Nein wurde die Tramvorlage überarbeitet. Die Bevölkerung wurde stärker miteinbezogen, die Streckenführung wurde geändert, die Kosten um rund 20 Millionen gesenkt. Auf die in der ersten Variante vorgesehene Unterquerung des Autobahnviadukts Weyermannshaus wurde verzichtet. Und auch auf die Autofahrer nahm die zweite Variante mehr Rücksicht und bot mehr Überholmöglichkeiten. Die zuständige Behördendelegation bezeichnete die zweite Variante schlicht als «neues, verbessertes Tramprojekt.»

Nach der Niederlage im ersten Anlauf war es an der damals frisch gewählten Gemeinderätin Regula Rytz (GB), das Projekt als Vertreterin der Stadt ab der Phase der öffentlichen Mitwirkung zu begleiten. Für Rytz ist klar: Die zweite Variante hat sich in der Realität bewährt und ist besser als die erste. «Das Tram wird den Bedürfnissen von Bevölkerung und Wirtschaft gerecht.» In den öffentlichen Mitwirkungsforen sei schnell klar geworden, dass nur die Linienführung entlang der bestehenden Buslinie Akzeptanz findet. Chancenlos sei der ursprüngliche Plan geblieben, mit dem Tram das Niemandsland unter dem Autobahnviadukt zu erschliessen, erinnert sich Rytz. Dies hätte zu langen Fussmärschen geführt. Im zweiten Anlauf konnte auch das neue Brünnenquartier optimal an den öffentlichen Verkehr angebunden werden. «Das Tram Bern-West ist deshalb eine Erfolgsgeschichte.»

Thomas Fuchs: Besser für ÖV-Kunden und MIV
SVP-Grossrat Thomas Fuchs war vor zehn Jahren der grosse Gegenspieler des Tram Bern-West. Praktisch im Alleingang bodigte er das erste Projekt. Auch beim zweiten Urnengang, als über die neue Streckenführung abgestimmt wurde, war Fuchs gegen das Tram. Doch seine Opposition war deutlich leiser als beim ersten Anlauf. «Die zweite Variante war eindeutig besser als die erste», sagt Fuchs rückblickend. Nicht nur weil die Streckenführung jetzt besser sei, sondern auch, weil es mehr Überholmöglichkeiten für Autos gebe und das Projekt dank dem Verzicht auf den Tunnel wesentlich günstiger gewesen sei, so Fuchs. «Bei der Planung der zweiten Variante hat man die Anliegen aus der Bevölkerung ernst genommen.»

Gegner Fuchs nutzt das Tram regelmässig
Auch der einstige Tramgegner nutzt das Tram Bern-West heute regelmässig. «Zum Fahren ist es sehr angenehm», sagt Fuchs. Allerdings sei man mit den Eilbussen früher schneller gewesen. Und: «Es war ein Märli, dass im Tram alle einen Sitzplatz fänden, wie die Befürworter gesagt haben.»

Nachdem die Stimmbürger aus Köniz und Ostermundigen Nein zum Tram Region Bern gesagt haben, steht diese Verbindung nun vor dem endgültigen Aus. Bis Mitte Monat will die Behördendelegation entscheiden, wie und ob es mit dem Tram Region Bern überhaupt weitergehen soll. Möglicherweise wird das Projekt definitiv begraben, möglicherweise werden die Behörden aber auch wie beim Tram Bern-West eine neue, überarbeitete Variante Tram Region Bern in Angriff nehmen.

Tram Region Bern: Besser dank Runde 2?
Wird man allenfalls eines Tages behaupten können – ähnlich wie beim Tram Bern-West – dass der zweite Anlauf dem Tram Region Bern gutgetan hat? Regula Rytz ist bei dieser Frage sehr skeptisch. Sie war als Gemeinderätin in die Planung des gescheiterten Projekts involviert. «Wir haben bei der Streckenführung für das Tram Region Bern unsere Lehren aus der Kritik am Tram Bern-West gezogen», sagt sie. Die Gegner des Tram Region Bern argumentierten paradoxerweise aber genau umgekehrt als die Gegner des Tram Bern-West, so die ehemalige städtische Baudirektorin. «Sie schlagen vor, mit dem Tram die unbewohnte Allmend entlang nach Ostermundigen zu fahren.» Die Skeptiker aus Bümpliz seien pragmatischer gewesen, findet Rytz. «Sie wollten ein Tram vor ihrer Haustür, und genau das haben wir auch gebaut.»

Mit einer anderen Streckenführung und einer gewissen Rücksicht auf individuelle Bedürfnisse hätte auch das Tram Region Bern bei einem zweiten Anlauf wohl eine Chance, findet hingegen SVP-Grossrat Thomas Fuchs. «Nur ein kleiner Teil der Bevölkerung ist einfach generell gegen ein Tram. Ich befürchte, dass das Projekt nicht definitiv beerdigt wird», sagt Fuchs.

Quelle: Ralph Heiniger, Berner Zeitung

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