Vreni Jöhr kämpft für lange Öffnungszeiten

Jahrelang kümmerten die Öffnungszeiten von «Vreni’s Viewheid Lädeli» in Belp niemanden. Nun sollen sie eingeschränkt werden – die Betreiberin fürchtet um die Existenz.

Seit 16 Jahren betreibt Vreni Jöhr an der Viehweidstrasse in Belp ein Lädeli. Seit ebenso vielen Jahren schliesst sie das Geschäft am Samstag und Sonntag erst um 21 Uhr. «An diesen Abenden läuft bei uns am meisten», sagt Jöhr. Im Sommer gehören insbesondere Aare-Grillierer zu ihren Kunden, im Winter die Heimkehrer aus den Skigebieten im Oberland. Diese letzten Stunden an den Wochenenden haben ihr bisher die Existenz gesichert.

Nun aber sieht Jöhr ihren Laden in Gefahr. Denn die Behörden haben entschieden, dass «Vreni’s Viehweid Lädeli» am Samstag um 17 Uhr und am Sonntag um 18 Uhr schliessen muss – wie es den Bestimmungen im Kanton entspricht. Laut Jöhr begann der Streit vor 2 Jahren.

Schliessung als Strafe
Für Regierungsstatthalter Christoph Lerch ist der Fall klar. «Wir und die Gemeinde haben die Betreiberin schon vor längerer Zeit und seither mehrfach zur Einhaltung der Öffnungszeiten aufgefordert.» Dies sei aber bis jetzt nicht passiert.

Deshalb beliess er es nicht bei den neuen Öffnungszeiten. Mit einer verwaltungsrechtlichen Zwangsmassnahme verfügte das Statthalteramt, dass der Betrieb während dreier Wochen geschlossen bleiben muss. Doch Jöhr legte Beschwerde ein. Nun liegt der Fall bei der kantonalen Volkswirtschaftsdirektion.

Lädeli, Imbiss, Pintli
Eine temporäre Schliessung würde Jöhr gerade noch in Kauf nehmen – wenn sie dafür die bisherigen Öffnungszeiten beibehalten dürfte. «Wir sind nicht nur ein Lädeli», betont sie. Zum Familienbetrieb gehörten auch ein Imbiss und das Schmitte-Pintli, familiär verbunden ist das Lädeli zudem mit der Metzgerei Jöhr in Boll.

Besonders ärgert sich Vreni Jöhr, dass für die zwei neuen Tankstellen an der Viehweidstrasse längere Öffnungszeiten gelten. Die Ladenbesitzerin liess bisher nichts unversucht. Weil der Flughafen nicht weit ist, hoffte sie zuerst auf eine gewisse touristische Bedeutung für Belp. Denn in Tourismusorten sind längere Öffnungszeiten erlaubt. Doch in der entsprechenden Verordnung des Kantons sucht man den Namen Belp weiterhin vergebens.

Dann holte sie die Betriebsbewilligung für eine Elektrotankstelle ein – als Tankstellenshop geht ihr Laden dennoch nicht durch. Schliesslich sammelte sie 2000 Unterschriften. Was sie damit anfangen soll, weiss sie zwar nicht genau. Aber klar ist für sie: «In der heutigen Zeit bestimmt der Konsument, wann und wo er einkauft.»

Fuchs’ Schützenhilfe
Anfang dieser Woche erhielt Jöhr zudem Schützenhilfe von unerwarteter Seite: SVP-Grossrat Thomas Fuchs war am Wochenende Kunde in ihrem Laden, erfuhr vom Rechtsstreit und verschickte am Montag namens des Bunds der Steuerzahler eine Mitteilung an die Medien. Darin zeigte sich Fuchs «entsetzt über die gewerbefeindliche Politik der Belper Gemeindebehörden».

Jöhr erfuhr durch diese Zeitung von Fuchs’ Aktion – die Freude darüber hielt sich aber in Grenzen. Denn, so betont sie, die Gemeinde trage keine Schuld am Streit. Im Gegenteil: Jöhr besitzt einen Brief, in dem sich Gemeindepräsident Rudolf Neuenschwander (SP) für den Laden einsetzt und bedauert, dass der Laden nicht als Elektro-Tankstellenshop eingestuft wird.

Ein Spezialfall
Jöhrs Anwalt Roger Lerf spricht von einem Spezialfall: «Dieses Geschäft ist nicht so einfach zu schubladisieren.» Um die Sicht seiner Mandantin genauer darzulegen, hofft Lerf auf eine Aussprache mit der Volkswirtschaftsdirektion. «Sicher muss es eine Lösung geben, die nicht einen 16-jährigen Familienbetrieb vernichtet.»

Quelle: Johannes Reichen, Berner Zeitung

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