Schrebergärtner sind sauer wegen Fahnenklau

Die Berner Schrebergärtner sind sauer: Wo bis vor kurzem Nationalflaggen wehten, ist nur noch Grünzeug zu sehen. Auslöser für den Diebstahl sei eine Bieridee der Reithalle.

Die Stimmung in vielen Berner Schrebergärten ist getrübt – und gäbe es noch Fahnen, wären diese wohl auf Halbmast. Doch gerade hier liegt das Problem: Unbekannte haben in mehreren Schrebergärten die Flaggen gestohlen. «Bei uns hängen nur noch zwei Fahnen», sagt Walter Gilgen, Präsident der Familiengärten Schermenwald. «Geblieben ist eine mit Totenkopf und eine andere, nicht so schöne. Davor waren es 35 bis 40 Stück.»

Selbst betroffen ist Gilgen nicht, doch die Solidarität mit den übrigen Schrebergärtnern ist gross: «Gott sei Dank war ich in den Ferien und habe die Fahne zuvor abgenommen. Wenn sie weggekommen wäre, wäre ich jedoch auch sehr wütend.» Gestohlen wurden vor allem Schweizer-Fahnen, «doch auch eine italienische und sogar eine türkische Fahne waren oben», so Gilgen weiter.

Direkt betroffen ist Schrebergarten-Pächter Fritz Stucki. Ihn stört vor allem die Beschädigung der Zugseile und der Masten: «Eine Fahne kostet 20 Franken und ist nicht teuer. Doch das Seil wurde abgeschnitten und nun muss ich jemanden holen, der mir bei der Reparatur hilft.» Und Martin Blaser, Präsident der Schrebergärten Sonnenhof, bestätigt, dass auch in seinen Areal mehrere Seile durchgeschnitten wurden: «Die Pächter hängen an ihren Fahnen und sind sehr erbost über den verursachten Schaden. Die Wut gegen Linke und junge Alternative ist ziemlich gross und die Reaktionen teilweise heftig», so Blaser weiter.

Polizei und Politik eingeschaltet
Für den Fahnenklau verantwortlich machen die Schrebergärteler die Betreiber der Reitschule. Zumindest indirekt. Denn wie die «Berner Zeitung» berichtete, erhalten die Besucher dort vom 4. bis 18. Oktober bei Abgabe einer Nationalflagge ein Gratisbier. Die Medienstelle der Reitschule hat sich zu den Vorwürfen bisher noch nicht geäussert.

Dadurch lassen sich die Präsidenten der Schrebergärten Schermenwald und Sonnenhof jedoch nicht beirren. Sie wollen weiterhin Flagge zeigen und haben deshalb nicht nur eine Anzeige bei der Polizei eingereicht, sondern sich auch Hilfe aus der Politik geholt: «Vom Familiengärtnerverband aus haben wir diverse Politiker kontaktiert, damit endlich etwas geschieht», sagt Blaser. «Wir wollen, dass der Stadtrat der Sache nachgeht.»

Einer, der dem Ruf der Schrebergärteler folgte, ist SVP-Grossrat Thomas Fuchs. In einer Medienmitteilung kündigt er an, den Fahnenkrieg im Grossen Rat diskutieren zu wollen. Unter anderem wirft er die Frage auf, ob die Anti-Fahnen-Woche der Reitschule als indirekter Aufruf zum Diebstahl gewertet kann, bei dem die Staatsanwaltschaft von Amtes wegen ermitteln müsste. Eine weisse Fahne ist somit noch nicht in Sicht.

Quelle: Albina Muhtari

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