Das preisgekrönte Tramhäuschen

Für viele ist es nur eine Tramwartehalle, für andere fast ein Wohnzimmer – und für die schweizerischen Denkmalpfleger ein mustergültig renoviertes Bijou.

Der «Denkmalpreis 2014» der Konferenz der schweizerischen Denkmalpfleger (KSD) ist nicht eben hoch dotiert. Die Stadt Bern erhielt gestern nur gerade eine Urkunde für die «mustergültige Renovation» des Tramhäuschens am Breitenrainplatz. Immerhin: Die Auszeichnung ist auf handgeschöpftes Bütten­papier gedruckt. Mit dem Preis wollen die vereinigten Denkmalpfleger unterstreichen, dass nicht nur Kirchen und Altstadthäuser, sondern auch profanere Gebäude erhaltenswert und eine Bereicherung für das Stadtbild sein können.

Dank der Renovation komme die schlichte Eleganz des sanft geschwungenen Daches und der abgerundeten Glasfront des 1941 gebauten Tramhäuschens wieder zur Geltung, wurde gestern gelobt. «Die elegante Erscheinung symbolisiert den Verkehrsfluss und die Dynamik der Moderne», sagte der städtische Denkmalpfleger Jean-Daniel Gross.

«Begehbares Museum»

Bei der Renovation des lange vernachlässigten Baus hatte man die ursprüngliche Erscheinung wiederhergestellt. Der Kiosk etwa, der das Tramhäuschen als Anbau verunstaltet hatte, wurde ins Innere der Wartehalle verlegt, die Uhr auf dem Dach abgebaut und einige Meter weiter weg auf einem Mast neu montiert. Allerdings verstellen nun neue Fremdkörper wie der Billettautomat den Blick von Architekturfans.

Für Stadtpräsident Alexander Tschäppät (SP) ist mit der Renovation ein «kleines begehbares Museumsstück» entstanden. Mitten im Auto-, Velo- und Tramverkehr stehe es «an einem der Hotspots des Quartiers». Das Tramhäuschen zeige, dass man Denkmäler auch so pflegen könne, dass sie attraktiv für die Benutzer seien. «Für die einen ist es nur ein Ort, wo man auf das Tram wartet. Für die anderen schon fast ein Wohnzimmer.» Ein Randständiger, den man zur letzteren Kategorie zählen darf, beschenkte gestern den Stadtpräsidenten auch noch – mit einem Werbefeuerzeug von SVP-Grossrat Thomas Fuchs.

Quelle: Simon Thönen, Der Bund

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