Das «Unikum» erscheint zum letzten Mal

Die Redaktion des Unimagazins «Unikum» sagt sich von der Studierendenorganisation los.  Damit verliert sie die finanzielle Unterstützung.

Gestern erschien die aktuelle Ausgabe des «Unikums». 5000 Exemplare des Publikationsorgans der StudentInneschaft der Uni Bern (SUB) werden in Boxen aufgelegt – zum letzten Mal. So richtig beliebt war das Unikum schon länger nicht mehr. Noch im März erfolgte der Rettungsversuch: Von 10 000 auf 5000 Exemplare kürzte die SUB die Auflage, der Heimversand war schon zuvor – aufgrund rückläufiger Inserateeinnahmen – eingestellt worden. Doch die Hefte blieben in ihren Verteilboxen liegen.

Nun plant die «Unikum»-Redaktion einen Neuanfang: Alle Redaktionsmitglieder seien von ihren Funktionen in der SUB zurückgetreten. Ab Herbst 2015 soll die Universität Bern ein unabhängiges Studentenmagazin erhalten.

Unstimmigkeiten gab es immer
Ein Eklat? Nein, sagt Livia Middendorp, ehemalige «Unikum»-Redaktorin und Mitglied des neu gegründeten Studentischen Pressevereins an der Universität Bern, der das neue «Unikum»  herausgeben will. «Es ist nichts Konkretes vorgefallen.» Aber: «Unstimmigkeiten gab es schon immer.» So sorgte der sogenannte «Maulkorb»-Artikel bei den «Unikum»-Machern immer wieder für Unmut: Politische Äusserungen waren damit für das SUB-Magazin tabu. Die Formulierung des Artikels 32 des Universitätsgesetzes geht auf eine Motion von SVP-Grossrat Thomas Fuchs von 2010 zurück. Er verpflichtet die SUB – und damit auch das «Unikum» – zu «politischer und konfessioneller Neutralität». Fuchs störte sich damals daran, dass dem «Unikum» ein Flyer gegen die Kampfflugzeugbeschaffung beilag. Doch nicht nur am Artikel 32 habe sich das Redaktionsteam gestört, sondern vermehrt auch an den Themen, die auf Vorgabe der Studierendenschaft ins Blatt mussten, sagt Middendorp.

Heimversand reaktivieren
Nun will das Team also einen Neuanfang wagen, und dies mit hohen Ambitionen. So soll das neue Magazin wieder an alle gut 17 000 Studierende nach Hause versandt werden – ein aufwendiges und kostspieliges Vorhaben. Und eines, das die SUB wegen mangelnden Geldes  aufgegeben hatte. Die Finanzierung sei noch nicht vollständig geregelt, sagt Middendorp. Auf Geld der SUB kann das neue Magazin nicht mehr zählen. Wie eine ehemalige «Unikum»-Redaktorin im NZZ-Campus-Blog schreibt, hatte die Produktion einer Ausgabe des Magazins mit Personal-, Druck- und Verteilkosten 13 000 Franken gekostet. Als die SUB den Heimversand des Magazins einstellte, habe sie 5000 Franken gespart.

Der neue Verein hofft auf Inserateeinnahmen. In diesen Verlagsbelangen kann sie sich auch eine Zusammenarbeit mit anderen Studierendenzeitschriften, namentlich der «Zürcher  Studierendenzeitung» (ZS) der Universität Zürich, vorstellen. Für eine Anschubfinanzierung sollen auch Beiträge von diversen Stiftungen, aus Crowdfunding oder der Burgergemeindedazukommen. Die Unabhängigkeit von der SUB geht für die Redaktoren auf Kosten des Lohnes. «Wir werden ehrenamtlich arbeiten.»

Nicht nur wirtschaftlich, auch inhaltlich hat sich das Team viel vorgenommen: «Wir wollen mutiger und frecher werden», sagt Middendorp, «auch mal Dinge schreiben, die wir bis jetzt nicht durften und die so an anderen Orten nicht zu lesen sind.» Das Blatt soll «das kulturelle Leben bereichern, den politischen Diskurs fördern».

Auch SUB will eigenes Organ
Auch von der SUB wird es eine neue Publikation geben, wie im Frühling beschlossen wurde. Das  Publikationsorgan der SUB soll aber in Zukunft nicht mehr von der Studierendenorganisation selbst produziert werden, sondern von einer «Partnerorganisation»,  finanziert von der SUB über einen Leistungsvertrag. Studierendenschaft und Redaktion werden im neuen Organ je einen eigenen journalistischen Teil haben, die Redaktion verpflichtet sich, Artikel 32 zu beachten.

Wie die Leitung der Universität auf die Entwicklung in der universitären Presselandschaft und eine neue, möglicherweise kritische Stimme reagiert, war nicht zu erfahren. «Die Universität Bern ist über diesen Schritt nicht offiziell informiert und bezieht daher keine Stellung», schreibt die Kommunikationsabteilung der Uni Bern auf Anfrage.

Quelle: Christian Zellweger, Der Bund

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