Armut ist kein Mumpitz!

Mit Mumpitz war ab dem 17. Jahrhundert eine Schreckgestalt oder auch eine Vogelscheuche gemeint. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erscheint dann der Begriff auf der Berliner Börse für «erschreckende Gerüchte» und heute steht er umgangssprachlich für «Unsinn».

Viel Unsinn lesen und sehen wir Tag für Tag in den Medien. Kleinste Vorfälle werden aufgepuscht, private Sachen werden in die Öffentlichkeit gezerrt und Leute hemmungslos blossgestellt. Mit reisserischen Schlagzeilen versucht man neue Leserinnen und Leser zu gewinnen. Aber will die Leserschaft wirklich immer nur Negatives hören und lesen? Hat es in der heutigen Zeit wirklich keinen Platz mehr um positive Geschichten und Erfahrungen zu vermitteln oder die Menschen auch einmal dazu zu ermuntern, selber über das Leben nachzudenken?

Der Nationalfeiertag, der Geburtstag unserer Schweiz ist so ein Anlass. Leider fielen wegen Corona die meisten 1. August-Brunchs, die Höhenfeuer und Festanlässe sowie auch die Festreden aus, trotz sommerlicher Hitze fielen sie also sozusagen ins Wasser. Gelegenheit also, sich mal einem Thema zu widmen, von dem die meisten hoffen nie davon betroffen zu sein. Die Armut.

Leben am Rande der Existenz – das kennen wir meist nur aus dem Fernsehen und vom Internet. Leben mit weniger als einem Franken pro Tag, ohne Weihnachtsgeschenke und Leben ohne Wasser ist für uns unvorstellbar, für Millionen aber leider eine Tatsache. Eine Lebenserwartung von weniger als 55 Jahren und ein Kalorienverbrauch von weniger als 2’200 Kalorien pro Tag gelten als Armut.

Und in der reichen Schweiz? Jobverlust, Krankheit, Mobbing und auch Armut können jeden treffen, auch Dich! Die Zuwanderung von jährlich fast 70’000 Menschen bringt nicht nur neue Kunden und Mitbewohner, sie bringt auch neue Probleme und einen Kampf um Arbeitsplätze.

Was wir in diesem Land erleben ist aber eine andere Armut, eine auf hohem Niveau. Bei uns muss niemand für sogenannte Hungerlöhne arbeiten und die sozialen Netze sind weitreichend und umfassend ausgespannt. Wir wissen es: Nicht dem, der am lautesten jammert, geht es am schlechtesten!

Fahren Sie einmal in unsere wunderschönen Berge. Alphütten ohne Strom und ohne fliessendes Wasser. Hier wohnen Menschen, arbeitsam, bescheiden und empfangen Wanderer trotzdem herzlich und geben von dem Wenigen das sie haben, noch etwas ab. Gastfreundschaft pur.

Oder die 90jährige Frau in einer alten Stadtwohnung mit Kohlenheizung und ohne Warmwasser. Die ihr zustehende Ergänzungsleistung bezieht sie nicht. Sie kauft 5 Minuten vor Ladenschluss verbilligt ein, lacht und ist glücklich, Jedes Jahr spendet sie etwas der SVP und den Samaritern, denn die tun etwas für ihre Schweiz und ihr Land, obwohl sie selber zuwenig hat. Von dem wenigen Geld das sie hat, gibt sie gerne etwas ab. Mönche und Nonnen verzichten bewusst auf jeglichen Besitz und sind ziemlich sicher glücklicher als viele Bankmanager mit Millionensalären.

Wer Arme ausgrenzt macht einen Fehler. Nicht vergessen: es gibt zumindest eine Gerechtigkeit auf dieser Welt: Botox hin oder her – wir gehen nackt, wie wir zur Welt gekommen sind. Das letzte Hemd wird garantiert keine Taschen haben und gerade daher sollten wir vermehrt darüber nachdenken, wem wir zu Lebzeiten eine Freude machen können und wollen. Blumen in der Wohnung wirken besser als auf dem Grab. Also, mehr lächeln, dem einsamen alten Mann in der Stadt mal ein Getränk zahlen, wieder mal etwas Zeit für Freunde und Verwandte aufwenden oder einfach mal jemandem aus purer Freude einen 5liber zustecken und sich freuen, dass wir (noch) nicht zu den Armen gehören.

Thomas Fuchs

ZUR PERSON

Thomas Fuchs kandidiert für das Bürgerliche Bündnis (FDP, SVP) am 29.11.2020 für den Stadtberner Gemeinderat. Der ehemalige Nationalrat und Grossrat ist Präsident der SVP Stadt Bern und Präsident der Berner Samariter, Geschäftsführer des Bundes der Steuerzahler und im Militär Oberst. Er ist in Bern geboren und aufgewachsen und Herausgeber der Zeitungen DIE IDEE und Bern-Aktuell.

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