SVP greift Wagenkarawane an

Weil die Stadtnomaden per Anfang November ins Quartier Saali-Wittigkofen ziehen sollen, gehen die SVP und der Bund der Steuerzahler auf die Barrikaden. Das weckt Erinnerungen an den letzten Sommer.

«Aufstand wie noch nie», «Mobilmachung», «inakzeptabel»: Mit markigen Worten haben gestern die SVP der Stadt Bern und der Bund der Steuerzahler (BDS) ihren Widerstand gegen die provisorische Bleibe der Stadtnomaden im Quartier Saali-Wittigkofen angekündigt. Noch bis Ende Oktober wohnen diese auf dem Gaswerkareal, danach soll sich die Wagenkarawane im Saali niederlassen. Auf einem Grundstück an der Jupiterstrasse, das der Berner Burgergemeinde gehört, wie der «Bund» gestern berichtete. In unmittelbarer Nachbarschaft befindet sich dort das Alters- und Pflegeheim der Stiftung Tilia.

Für Fuchs ein «Kurswechsel»
«Unannehmbar» für Thomas Fuchs, der das Communiqué im Auftrag des BDS versandt hatte. Er sieht in der vorübergehenden Ansiedlung der Stadtnomaden im Saali einen Kurswechsel. «Zuletzt waren sie an Standplätzen, wo sie keine direkten Nachbarn hatten. In Wittigkofen hingegen ist das ganz anders.» Ausserdem sei das Gebiet eine beliebte Spazierstrecke.

Über 2500 Flugblätter mit einer Anleitung zur Beschwerde wollen Fuchs und seine Mitstreiter in den nächsten Tagen im ganzen Quartier und auch in Ostermundigen verteilen. Bereits vor der Abstimmung über die Sonderzone in Riedbach warb Fuchs mit denselben Logos, die jetzt wieder auf den Flugblättern zu sehen sind. Trötzelt der SVP-Politiker etwa? «Nein. Es geht hier nicht um Riedbach, sondern um Wittigkofen. Es ist das gute Recht der Anwohner, sich zu beschweren.» Ihre Chancen auf einen Erfolg stünden sehr gut, findet Fuchs. «Die Bewohner der Eymatt haben sich im letzten Sommer erfolgreich gegen die Ansiedlung der Stadtnomaden gewehrt.»

Für Langenegger ein «Widerspruch»
Saali-Areal und Eymatt seien aber nicht miteinander vergleichbar, sagt Walter Langenegger, Infochef der Stadt Bern. Der Umzug sei damals nicht erfolgt, weil die Abstimmung über die Zone für alternatives Wohnen kurz bevorstand und somit offen war, ob das Rotationsprinzip überhaupt noch weitergeführt werde, so Langenegger. Dass nun die SVP die vom Volk gutgeheissene Zone verzögert und andererseits das Rotationsprinzip bekämpft, ist für den Infochef widersprüchlich. «Mit diesem Verhalten missachtet die SVP den Willen, den die Mehrheit der Bevölkerung an der Urne zum Ausdruck gebracht hat.»

Zurückhaltend gibt man sich beim Quartierverein Wittigkofen. Man erwarte noch mehr Informationen, sagt Präsident Fritz Liebi auf Anfrage und verweist auf die Sitzung des Vereins vom nächsten Dienstag. Da werde das Thema sicher traktandiert. «Aber grundsätzlich darf die Burgergemeinde auf ihrem Land machen, was sie will», bemerkt Liebi. Das betont auch Stefanie Gerber, Mediensprecherin der Burger. Man stehe zum städtischen Rotationsprinzip und pflege den Kontakt mit den Betroffenen. Zudem sei das Areal keine ständige Brache und schon früher multifunktional genutzt worden. «Dabei gab es nie Probleme», so Gerber.

Für Hannich eine «Chance»
Bei der Tilia-Stiftung wurde man von der kurzfristigen Information vonseiten der Stadt und der Burgergemeinde zwar «etwas überrascht», sagt Direktionspräsident Dieter Hannich. Inakzeptabel seien die vermeintlich neuen Nachbarn aber nicht, wenn die Rahmenbedingungen stimmten, betont Hannich. Er habe seine Anliegen deponiert und werde in die Vereinbarung Einsicht nehmen können.

Vor allem garantierte nächtliche Ruhezeiten für die Bewohnerinnen und Bewohner des Heims sind Hannich wichtig. Und auch, dass kein Abfall oder andere Gegenstände auf dem Tilia-Gelände deponiert werden. Werde dies eingehalten, könnten neue Nachbarn auch eine Chance sein. Mit dem Zirkus Harlekin als temporärer Nachbarin habe man gute Erfahrungen gemacht. «Und unsere Bewohnerinnen und Bewohner mögen Abwechslung durchaus», sagt Hannich.

Quelle: egs, rah, Berner Zeitung

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