Der gemässigte Friedli soll SVP führen

Am Montag wählt die Stadtberner SVP ihren neuen Präsidenten. Die Parteileitung stellt sich hinter Rudolf Friedli, einen Vertreter des gemässigten Flügels. Als Präsident des Stadtrats hat er die Hardliner von seiner Führungsstärke überzeugt.

Als Stadtratspräsident ist Rudolf Friedli seit Anfang Jahr der höchste Berner. Und nun soll der 46-Jährige auch zum höchsten SVP-Politiker in der Stadtpartei werden. Ausgerechnet Rudolf Friedli, der freundliche, gemässigte Rudolf Friedli, der höchstens dann mal laut wird, wenn er als Leiter der Stadtratssitzungen seinen Parteikollegen Erich Hess massregeln muss.

Erich Hess selber unterstützt Friedlis Kandidatur, so wie es auch Thomas Fuchs, der andere bekannte SVP-Hardliner, tut. Die ganze Parteileitung steht hinter Friedli – und zwar ohne Gegenstimme. Ob auch die Parteimitglieder Rudolf Friedli zum Nachfolger des zurücktretenden SVP-Präsidenten Peter Bernasconi wählen, entscheiden sie an der Mitgliederversammlung am Montagabend.

«Friedli ist ein Brückenbauer»

«Ich habe ein gutes Gefühl für die Wahl am Montag», sagt Rudolf Friedli. Er gehöre schon eher zum gemässigten Teil der SVP. «Aber meistens stimmen meine Meinungen mit der Parteileitung überein.»

SVP-Fraktionschef Roland Jakob betont: «Der beste Präsident ist ein Gemässigter, der hart sein kann in der Sache.» Rudolf Friedli sei ein Brückenbauer, sowohl zu den anderen Parteien, aber auch zwischen den verschiedenen Flügeln in der SVP. In seiner bisherigen Amtszeit als Stadtratspräsident habe Rudolf Friedli gezeigt, wie ausgeprägt seine Führungsqualitäten sind.

Auch Thomas Fuchs glaubt: Mit Friedli an der Spitze werde die SVP zulegen. «Ich selber habe ihn vor 15 Jahren in die SVP geholt.» Friedli habe zwar kein typisches SVP-Profil. Er sei weder Landwirt noch verheiratet und Vater von vier Kindern. «Er ist der moderne, städtische SVP-Vertreter. Mit ihm kann die Volkspartei bei den jungen, urbanen Wählern zulegen.»

Fuchs und Hess wollten nicht

Von einem Kampf zwischen den beiden SVP-Flügeln will Thomas Fuchs nichts wissen. Er habe freiwillig aufs Parteipräsidium verzichtet. «Wenn ich Präsident werden möchte, dann würde ich mir dieses Amt auch holen», sagt Fuchs. Doch als Grossrat, Vizepräsident der Stadtpartei und Präsident der SVP-Sektion Bümpliz sei er genügend ausgelastet.

Auch Erich Hess versichert: «Ich hatte keine Ambitionen für dieses Amt.» Er könne gut mit einem gemässigten Politiker an der SVP-Spitze leben. «Sollte Friedli auf Abwege kommen, gibts ja noch die Parteileitung, die ihn korrigieren kann.»

«SVP muss Lösungen suchen»

Die Marschrichtung des neuen Präsidenten sieht so aus: «Wir sollten aufhören, immer alles schlechtzureden und stattdessen bürgerliche Lösungen für die Probleme in der Stadt Bern aufzeigen.» Zu den Vorzeigepolterern in den eigenen Reihen sagt der designierte Präsident: «Erich Hess und Thomas Fuchs haben durchaus ihre Qualitäten.» Sie hätten ein gutes Gespür, um zu merken, was die Leute beschäftigt. «Erich Hess hat früher oft provoziert, doch das hat sich in letzter Zeit gebessert.»

Quelle: Tobias Habegger, Berner Zeitung

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